Heute machen wir weißen Spargel mit Beurre Blanc, aber es gibt ein kleines Problem: Ich habe eine irrationale Angst vor Soßen. Nicht etwa, weil die so unglaublich schwer sind, sondern weil ich immer denke, dass man mir anhand meiner Soßen sofort ansieht, dass ich keine klassische Ausbildung zur Köchin habe. Mein Impostor hält mich also davon ab, in jedes Gericht eine Packung Butter zu schmeißen. Das ist zwar gut für meine Arterien, aber nicht so gut für meine Kreativität.
Ich habe zwar bereits mit 4 Jahren meiner Oma erzählt, dass ich mal „Köcherin“ werden will, eine Ausbildung zur Köchin war allerdings für mich undenkbar, das Kind sollte schließlich auf die Universität. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mich auch nie in der Gastroküche gesehen. Mir war das immer alles zu männlich, zu ruppig, zu streng. War ne andere Zeit damals und zum Glück hat sich seitdem einiges geändert.

Vom Food Content zum eigenen Stil finden
Es gibt aber Dinge, die ändern sich nie. Meine Liebe zum Kochen zum Beispiel, die ist geblieben, also meistens. Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, Koch-Content im Internet zu teilen, habe ich mich nicht getraut, das alleine zu machen, weil ich überzeugt war, dass mir dazu das nötige Koch-Knowhow fehlt, hallo Impostor. Also habe ich mir einen professionellen Koch gesucht, mit dem ich dann gemeinsam einen Kochkanal gestartet habe. Damit sind wir dann zwar erfolgreich, aber beide nicht glücklich geworden. Dann also doch alleine.

Perfektionismus beim Kochen loslassen
Viele meiner Rezepte schaffen es nicht ins Internet, denn ich bilde mir immer wieder ein, dass sie nicht gut genug sind. Aber gut genug für wen? Das Internet hebt ständig Rezepte in den viralen Himmel, die alle nicht von Profis erfunden wurden, sondern von Menschen, die zu Hause einfach nur zum Spaß kochen und ihre Kreationen mit dem Internet teilen. Und das Internet liebt das. Nur ich habe diesen merkwürdigen Anspruch an meine eingebildete Professionalität. Es ist absurd und zeigt nur mal wieder, wie sehr man sich im Zweifel doch immer selbst im Weg steht.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Man muss es einfach machen. Sich nicht im Kopf verrückt machen, sondern einfach loslegen. Denn wenn man immer in seiner Comfort Zone bleibt, passiert halt auch nichts. Keine neuen Erfahrungen, keine Erfolgserlebnisse, keine Weiterentwicklung. Man bleibt da stehen, wo man schon immer war, und das ist heutzutage keine gute Idee.

Beurre Blanc: Eine einfache Anleitung für Anfänger
Genau deswegen habe ich mich diesmal an eine Beurre Blanc gewagt, eine dieser klassischen französischen Soßen, die ich immer für viel zu schwierig und professionell gehalten habe. Ist sie aber gar nicht. Diese einfache Beurre Blanc ist perfekt für Spargel, Fisch oder Gemüse und gelingt auch ohne Kochausbildung.
Eine Beurre Blanc ist eine Soße aus der klassischen französischen Küche und besteht aus einer Weißweinreduktion, einer Säure, wie Zitrone oder Essig, Schalotten und sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel Butter. Also eigentlich ist es Butter mit Schuss.
Für die Zubereitung dünstet man fein gehackte Schalotten in etwas Weißwein an, lässt diesen fast komplett einkochen, gibt einen Spritzer Säure dazu und montiert dann unter ständigem Rühren kalte Butterstücke ein. Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach. Die Butter emulgiert mit der Reduktion und wird zu einer cremigen, glänzenden Soße.
Das Wichtigste ist, dass die Soße nicht zu heiß wird, sonst bricht sie. Aber selbst wenn das passiert, muss man einfach einen Spritzer kaltes Wasser zur Soße geben und nochmal rühren, schon ist sie wieder da. Viel einfacher, als ich immer gedacht hatte, und das Ergebnis ist so viel eleganter als jede Fertigsoße aus dem Glas.
Das Rezept für das Kräuteröl findet ihr übrigens hier. Das Kräuteröl ist aber komplett optional und ihr könnt es ruhig verglassen.
Gebackener Spargel mit Beurre Blanc und Kräuteröl
Schwierigkeit: Mittel20
Minuten25
Minuten45
MinutenDieses Spargel Rezept mit Beurre Blanc und Kräuteröl ist ein perfektes Frühlingsgericht und einfacher als gedacht!
Zutaten
- Spargel:
ca. 1 kg weißer Spargel
1 Prise Salz
1 Prise Zucker
1 Prise MSG (optional)
ein paar Spritzer Olivenöl
- Beurre Blanc:
250 ml Weißwein
1 bis 2 Schalotten
1 Spritzer Verjus
1 Lorbeerblatt
Salz und Pfeffer
ca. 200 g kalte Butter
- Garnieren:
Kräuteröl
Grobes Meersalz
Pfeffer
Dillspitzen
Anweisungen
- Spargel vorbereiten:
- Den weißen Spargel schälen und die holzigen Enden abschneiden. Die Spargelstangen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit Salz, Zucker, optional MSG und einigen Spritzern Olivenöl würzen. Bei 180°C Umluft für etwa 20-25 Minuten backen, bis der Spargel weich und leicht gebräunt ist. Alternativ in der Heißluftfritteuse bei gleicher Temperatur für 15-20 Minuten garen.
- Beurre Blanc zubereiten:
- Die Schalotten fein hacken und in einem kleinen Topf mit dem Weißwein, einem Spritzer Verjus, etwas Salz und Pfeffer und dem Lorbeerblatt bei mittlerer Hitze einkochen lassen, bis nur noch etwa die Hälfte der Flüssigkeit übrig ist. Die Weißweinreduktion durch ein feines Sieb passieren, um die Schalottenstücke zu entfernen, dann die Reduktion wieder in den Topf geben und die Hitze auf die niedrigste Stufe stellen. Die kalte Butter in kleine Stücke schneiden und nach und nach mit einem Stabmixer in die warme Reduktion einarbeiten. Dabei sollte die Soße nicht mehr kochen, sonst bricht sie.
- Anrichten:
- Die Beurre Blanc in die Mitte eines tiefen Tellers geben, darauf das Kräuteröl träufeln. Den gebackenen Spargel auf die Soße geben. Mit grobem Meersalz, frisch gemahlenem Pfeffer und Dillspitzen garnieren. Sofort servieren, solange die Soße noch warm ist.

